Exkl. MwSt.
Deutsch
Suchen
Zurück zur Übersicht

Wiederbelebung: Erste Hilfe kennt keine Grenzen

Wiederbelebung: Erste Hilfe kennt keine Grenzen

Am 12. September ist der internationale Tag der Ersten Hilfe. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, um eine Geschichte zu erzählen, in der eine Betriebssanitäterin aus der Schweiz in Deutschland einem Menschen mit einer Reanimation das Leben rettete – also internationale Erste Hilfe leistete.

 

Treffpunkt Feuerwehrhaus: Wo die Geschichte beginnt 
Es war ein schöner, sonniger Wintervormittag Ende 2019. „Ich freute mich darauf, mich wieder einmal an meinem alten Heimatort Singen (D) mit Kollegen der verschiedenen Blaulichtorganisationen zu treffen“, erzählt Manuela Greco, Betriebssanitäterin und Samariterlehrerin des SV Neuhausen am Rheinfall. Geplant war eine gemeinsame Fahrt nach Konstanz zu einer Weiterbildung. „Am Treffpunkt der Feuerwehr versammelten wir uns und plauderten fröhlich mit der dortigen Wehr. Sie hatte an diesem Tag ihren Weihnachtsbaumverkauf.“ 
 
Kein Puls, keine Atmung ... Herzstillstand 
Plötzlich hörten sie verzweifelte Rufe zwischen den Weihnachtsbäumen. „Während ich zum Unglücksort rannte, zog ich meine Jacke aus und warf meine Handtasche einem verdutzten Feuerwehrmann in die Hände“, erzählt Manuela Greco. „Zwischen den Weihnachtsbäumen lag ein Mann, der nach Aussagen der Umstehenden wie vom Blitz getroffen zusammenbrach.“ Ihr war nach kurzer Überprüfung klar, dass es sich um einen Herzstillstand handelt. Michael Münzer, ein früherer Ausbilder von ihr, war ebenfalls vor Ort und gab den Auftrag, den Automatisierten externen Defibrillator (AED) aus dem Feuerwehrgebäude zu holen. „Wir begannen sofort mit den Reanimationsmassnahmen“, erzählt sie. „Rasch kamen zwei Feuerwehroffiziere zu Hilfe. Sie begannen mit der Herzdruckmassage, „Michael Münzer übernahm die Beutelbeatmung und ich den AED. Während der Reanimation überprüfte ich den Puls und organisierte den Zugang zum Schadenplatz.“ 
  
Ist die Reanimation erfolgreich?
Ringsum war es beklemmend still. Der Patient war ein lieber Freund der meisten Anwesenden. „Wir, die an der Reanimation beteiligt waren, haben erst gar nicht mitbekommen, dass auch die Familie des Mannes in der Nähe stand“, sagt Manuela Greco. „Erst durch eine Aussage der Ehefrau bemerkte ich das. Die Familie wurde aber bereits professionell von einer Feuerwehr- und ehemaligen ENT-Kollegin von mir betreut.“ 
 
Auf einmal kam bei Helfern und Zuschauern Freude auf. Der Patient atmete. “Aber Michael und mir war klar, dass dies die klassische Schnappatmung ist, die sehr schnell verwechselt werden kann”, erzählt Manuela Greco. “Auf unseren Befehl wurde weiter reanimiert und die Freude war weg. Doch kurz später begann sich der Mann zu regen und selbständig zu atmen. Fast im selben Moment fuhr der ersehnte Rettungswagen um die Ecke.” 
 
“Für uns alle war es sehr anstrengend – emotional und körperlich”, erzählt Manuela Greco. “Und für die Feuerwehrkollegen war es die erste Reanimation.” Am Nachmittag erfuhren die Ersthelfer, dass der Patient mit dem Helikopter nach Freiburg verlegt wurde und dort medizinisch versorgt werden konnte. Abends gab es ein Gespräch mit den beteiligten Helfern. Ein Nachgespräch ist nach so einem Ereignis besonders wichtig und wertvoll. 
 
Herz-Lungen-Wiederbelebungen können Leben retten! 
 “Der Tag hatte sonnig begonnen”, resümiert Manuela Greco. “Und er ging auch sonnig zu Ende. Dem Patienten ging es bald wieder gut. Er hatte bereits Weihnachten im Kreis seiner Familie verbringen können. Für mich war es toll zu erleben, wie ruhig alles ablief, trotz der Dramatik der Situation. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung und alle Interventionskräfte in Erster Hilfe aus- und weitergebildet werden. Dafür sind Algorithmen wichtig, damit alle den gleichen Wissensstand haben und dadurch verschiedene Blaulichtorganisationen, auch aus unterschiedlichen Ländern, optimal zusammenarbeiten können.” 
 
Falls auch Sie einmal in eine solche Situation geraten sollten, ist es wichtig zu wissen, wie Sie vorgehen sollten. Je früher man eine Reanimation bei einem Herzstillstand beginnt, desto besser sind die Erfolgschancen! 
  
Jeder kann Leben retten – so funktioniert die Reanimation 
Jede Minute zählt – denn mit jeder Minute ohne Hilfe sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um 10 Prozent. Mit dem raschen Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung steigt die Aussicht auf einen erfolgreichen Ausgang der Maßnahmen erheblich. Und das Beste: Sie können mit Ihrer Hilfe und einer Reanimation nichts falsch machen! Doch ohne Hilfe endet der Herzkreislaufstillstand in jedem Fall tödlich. 
 
Wie erkennt man einen Herzkreislaufstillstand? 
Ein Herz kann allzeit still stehen – ganz gleich, ob Mann, Frau oder Kind. In manchen Fällen sendet der Körper bereits vorab Warnzeichen oder es sind sogar Krankheiten bekannt. Symptome sind unter anderem Schmerz- oder Engegefühl in der Brust, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kaltschweissigkeit oder Kurzatmigkeit. Für Aussenstehende ergibt sich bei einem Herzkreislaufstillstand folgendes Bild: Der oder die Betroffene bricht plötzlich und unerwartet bewusstlos und ohne Atmung zusammen. Ab jetzt zählt wie gesagt jede Minute, denn ohne Sauerstoff sterben bereits nach wenigen Minuten erste Gehirnzellen ab.  
  
1. Massnahme: Rettungsdienst alarmieren! 
  
Unter der Notrufnummer 112 ist europaweit von allen Fest- und Mobilfunknetzen gebührenfrei der Rettungsdienst zu erreichen. Von hier aus können gegebenenfalls auch telefonisch weitere Massnahmen empfohlen werden. 
  
2. Massnahme: Atemwege frei machen 
  
Der oder die Betroffene sollte am besten auf einer harten Unterlage wie zum Beispiel dem Fussboden liegen. Man selbst kniet neben dem Patienten. So können auch im ersten Schritt die Atemwege kontrolliert und frei gemacht werden, indem der Kopf überstreckt und das Kinn angehoben wird. 
  
3. Massnahme: Reanimation oder Herz-Lungen-Wiederbelebung Herzdruckmassage 
  
Wer Bedenken hat, eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchzuführen, beginnt auf jeden Fall umgehend mit der Herzdruckmassage – kontinuierlich ohne Unterbrechung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder dem Wiedereinsetzen der Atmung. 
  • Der Handballen einer Hand wird dazu auf die Mitte der Brust (Mitte Brustbein) gelegt. Der andere Handballen wird darüber gelegt. Finger ineinander verschränken und nur den Handballen zum Drücken nutzen.
  • Den Rücken gerade halten, die Arme durchgestreckt lassen und den Brustkorb so etwa fünf bis sechs Zentimeter und ein bis zweimal pro Sekunde eindrücken.
  • Nach je 30 Kompressionen kann der Kopf erneut überstreckt werden und die Atemwege frei gehalten werden.
  • Wer eine zusätzliche Beatmung durchführen möchte, tut dies nach je 30 Mal Drücken. Während der Beatmung immer wieder schauen, ob sich der Brustkorb beim Entweichen der Luft senkt.
  • Mund-zu-Nase-Beatmung: Kopf überstrecken. Mit dem Daumen der Hand, die den Unterkiefer hält, wird der Mund zugedrückt, damit bei der Beatmung keine Luft entweichen kann. Nun wird der Mund um die Nase des Patienten gelegt und zweimal langsam ausgeatmet. 
  • Mund zu Mund-Beatmung: Kopf überstrecken. Mit Daumen und Zeigefinger der an der Stirn platzierten Hand die Nase des Patienten. Mit der anderen Hand kann der Unterkiefer etwas nach unten gedrückt werden und der Mund auf den leicht geöffneten Mund der betroffenen Person gelegt werden. Nun zweimal langsam ausatmen. 
  • Danach wird umgehend die Herzdruckmassage fortgesetzt. 
Bei zwei Helfern gilt der gleiche Rhythmus. Dabei kann einer von beiden die Herzdruckmassage durchführen und der andere die Beatmung. Ist ein Automatisierter externer Defibrillator (AED) verfügbar, sollte dieser umgehend eingesetzt werden, ohne die Herz-Lungen-Wiederbelebung jedoch zu vernachlässigen.
 
Wie lange sollte die Wiederbelebung durchgeführt werden? 
Die Wiederbelebungsmaßnahmen sollten in jedem Fall so lange durchgeführt werden, bis: 
  • die Rettungskräfte eintreffen oder 
  • die betroffene Person wieder zu Bewusstsein kommt oder wieder normal atmet
Zur nicht normalen Atmung, bei der auf jeden Fall weiter reanimiert werden sollte, gehört:
  • eine unregelmäßige Atmung 
  • besonders langsames Atmen, 
  • besonders tiefes Atmen oder 
  • Atmen mit einem schnarchähnlichen Geräusch. 
Ist die Person trotz Atmung weiterhin bewusstlos, sollte der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden.
 
WICHTIG: Man kann wirklich nichts falsch machen – ausser man führt keine Herzdruckmassage durch! 
 
Und das Beste zum Schluss: Für Ihre Einsatz als Ersthelferin wurde Manuela Greco mit dem SVBS AWARD der Schweizerischen Vereinigung für Betriebssanität (SVBS) ausgezeichnet. 
Kommentare
Als angemeldeter Kunde einen Kommentar schreiben Close Comment Form
Sie müssen sich anmelden, um diesen Beitrag kommentieren zu können.