Reanimation und Beatmung im Jahr 2022

Beitrag vom 6.4.2022

In den letzten Jahrzehnten haben sich rund um die Wiederbelebung neue Erkenntnisse durchgesetzt. Zum Beispiel, dass die Herdruckmassage wichtiger ist als die Beatmung. Trotzdem: wer beatmen kann, soll beatmen. Beatmungstücher können dabei Hemmungen abbauen.

1:5, 2:15, 30:2. Das sind keine Sportresultate. Es sind Verhältnisse zwischen Thoraxkompressionen und Beatmung, die über die Zeit ihre Gültigkeit hatten und sich in manchen Köpfen festgesetzt haben. Genauso verbleiben die unterschiedlichen Herangehensweisen wie GABI, ABCDE oder doch eher CABD als Abfolge der nötigen Schritte bei einer Reanimation in Erinnerung. 

Einiges davon ist veraltet, begegnet uns aber heute noch. Reanimationen im Verhältnis 1:5 sehen wir beispielsweise noch in älteren Filmen, wie in der Neunzigerjahre-Serie Baywatch. 

Was gilt heute?

Heutzutage gelten CABD und 30:2. Und das aus guten Gründen. Die aus heutiger Sicht am meisten Erfolg versprechende Abfolge bei einer Reanimation:

  • Circulation (Kreislauf): Ist ein Patient bewusstlos, hat die Thoraxkompression höchste Priorität: rund 100 bis 120 Mal pro Minute, bei Erwachsenen etwa 5 bis 6 Zentimeter tief, in der Mitte des Brustkorbs auf der unteren Hälfte des Brustbeins. 
  • Airway (Atemwege): Dann kümmern wir uns um die Atemwege und stellen sicher, dass sie frei sind. Das machen wir durch leichtes Überstrecken des Kopfes, damit die Zunge sie nicht verlegt. Die Atemwege prüfen wir dann mit allen Sinnen: hören, fühlen, sehen.
  • Breathing (Atmung): Wenn der Patient nicht oder nicht normal atmet, beatmen wir ihn –durch den Mund oder durch die Nase, beides ist gleichwertig. Der Brustkorb soll sich dabei sichtbar leicht heben und wieder senken. Das empfohlene Verhältnis zwischen Herzdruckmassage und Beatmung lautet 30:2.
  • Defibrillation: Bleibt der Erfolg aus, kann ein AED durch einen kontrollierten elektrischen Impuls das Herz anregen, wieder einzusetzen. 

Weshalb ist die Herzdruckmassage wichtiger als die Beatmung?

Verschiedene Untersuchungen zeigten: in den ersten sieben Minuten nach einem Herzstillstand ist der Sauerstoffgehalt im Blut des Patienten noch genug gross. Eine fehlende Beatmung in diesen ersten Minuten hat weniger Einfluss auf die Überlebensrate und allfällige Folgeschäden als eine fehlende Herzdruckmassage. Deshalb beginnen wir mit der Thoraxkompression, bevor wir beatmen. 

Aus dem gleichen Grund wurde das Verhältnis von Herzdruckmassage und Beatmung stetig erhöht: von 1:5 über 2:15 auf 30:2. Das verlängert die Phase der durchgehenden Thoraxkompression. Der Swiss Resuscitation Council (SRC) empfiehlt zwar nicht, gänzlich auf die Beatmung zu verzichten. Doch wer nicht beatmen kann oder will, soll sich auf die Herzdruckmassage fokussieren. 

Gilt das auch für Kinder?

Bei Kindern, Säuglingen und Ertrunkenen gewinnt die Beatmung an Bedeutung. Wenn irgendwie möglich, sollten wir diese Patienten beatmen. Der aktuelle SRC-Algorithmus empfiehlt bei Kindern ein Verhältnis von 15:2 und Ersthelfer sollten mit fünf Beatmungen beginnen. Die Kompressionstiefe soll etwa einen Drittel des Brustkorbdurchmessers ausmachen.

Weshalb haben wir Hemmungen bei einer Beatmung?

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Ersthelfer nicht beatmen möchten. Wenn die Betroffenen im Gesicht bluten, kann das abschrecken. Manchmal erbrechen die Patienten ohne Vorwarnung. Auch kann es Ersthelfer generell ekeln, mit Körperflüssigkeiten in Kontakt zu kommen oder sie haben Respekt vor allfälligen Infektionen. 

Manche Hemmungen kann beispielsweise ein Beatmungstuch abbauen. Es verhindert einen direkten Kontakt zwischen Ersthelfer und Patienten und reduziert Infektionsgefahren. In unserem Shop gibt es solche Beatmungstücher.


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