Inkl. MwSt.
Deutsch
Suchen
Zurück zur Übersicht

Erste Hilfe kennt keine Grenzen

Erste Hilfe kennt keine Grenzen

Am 12. September 2020 ist der internationale Tag der Ersten Hilfe. Wir nehmen den Tag zum Anlass, um eine Geschichte zu erzählen, in der eine Betriebssanitäterin aus der Schweiz in Deutschland dabei half, einem Menschen das Leben zu retten – also internationale Erste Hilfe leistete.

 

Es war ein schöner, sonniger Wintervormittag Ende 2019. «Ich freute mich darauf, mich wieder einmal an meinem alten Heimatort Singen (D) mit Kollegen der verschiedenen Blaulichtorganisationen zu treffen», erzählt Manuela Greco, Betriebssanitäterin und Samariterlehrerin des SV Neuhausen am Rheinfall. Geplant war eine gemeinsame Fahrt nach Konstanz zu einer Weiterbildung. «Am Treffpunkt der Feuerwehr versammelten wir uns und plauderten fröhlich mit der dortigen Wehr. Sie hatte an diesem Tag ihren Weihnachtsbaumverkauf.»

 

Plötzlich hörten sie verzweifelte Schreie aus den Weihnachtsbäumen. «Während ich zum Unglücksort rannte, zog ich meine Jacke aus und warf meine Handtasche einem verdutzten Feuerwehrmann in die Hände», erzählt Manuela Greco. «Zwischen den Weihnachtsbäumen lag ein Mann, der nach Aussagen der Umstehenden wie vom Blitz getroffen zusammenbrach.» Ihr war nach kurzer Überprüfung klar, dass es sich um einen Herzstillstand handelt. Michael Münzer, ein früherer Ausbilder von ihr, war ebenfalls vor Ort und gab jemandem den Auftrag, den AED aus der Feuerwehr zu holen. «Wir begannen sofort mit den Reanimationsmassnahmen», erzählt sie. «Rasch kamen zwei Feuerwehroffiziere zu Hilfe. Sie begannen mit der Herzdruckmassage, Michael Münzer übernahm die Beutelbeatmung und ich den AED. Während der Reanimation überprüfte ich den Puls und organisierte den Zugang zum Schadenplatz.»

 

Ringsum war es beklemmend still. Der Patient war ein lieber Freund der meisten Anwesenden. «Wir, die an der Reanimation beteiligt waren, haben erst gar nicht mitbekommen, dass auch die Familie des Mannes in der Nähe stand», sagt Manuela Greco. «Erst durch eine Aussage der Ehefrau bemerkte ich das. Die Familie wurde da aber bereits professionell betreut, von einer Feuerwehr- und ehemaligen ENT-Kollegin von mir.»

 

Auf einmal kam bei Helfern und Zuschauern Freude auf. Der Patient atmete. «Aber Michael und mir war klar, dass dies die klassische Schnappatmung ist, die sehr schnell verwechselt werden kann», erzählt Manuela Greco. «Auf unseren Befehl wurde weiter reanimiert und die Freude war weg. Doch kurz später begann sich der Mann zu regen und selbständig zu atmen. Fast im gleichen Moment fuhr der ersehnte Rettungswagen um die Ecke.»

 

«Für uns alle war es sehr anstrengend – emotional und körperlich», erzählt Manuela Greco. «Und für die Feuerwehrkollegen war es die erste Reanimation.» Am Nachmittag erfuhren die Ersthelfer, dass der Patient mit dem Helikopter nach Freiburg verlegt wurde und dort medizinisch versorgt werden konnte. Abends gab es ein Gespräch mit den beteiligten Helfern. Ein Nachgespräch ist nach so einem Ereignis besonders wichtig und wertvoll.

 

«Der Tag hatte sonnig begonnen», resümiert Manuela Greco. «Und er ging auch sonnig zu Ende. Dem Patienten ging es bald wieder gut. Er hatte bereits Weihnachten im Kreis seiner Familie verbringen können. Für mich war es toll zu erleben, wir ruhig alles ablief, trotz der Dramatik der Situation. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung und alle Interventionskräfte in Erster Hilfe aus- und weitergebildet werden. Dafür sind Algorithmen wichtig, damit alle den gleichen Wissensstand haben und dadurch verschiedene Blaulichtorganisationen, auch aus unterschiedlichen Ländern, optimal zusammenarbeiten können.»

 

 

Übrigens: Für diesen Einsatz wurde Manuela Greco mit dem SVBS AWARD ausgezeichnet.

Kommentare
Als angemeldeter Kunde einen Kommentar schreiben Close Comment Form
Sie müssen sich anmelden, um diesen Beitrag kommentieren zu können.